Unsere nächste HV findet am Fr. 13. Febr. 2026 im Gesellschaftshaus Ennenda ab 19 Uhr statt.
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Anlässlich des 2. öV-Gipfels, zu dem der Pendlerverein geladen hatte, wurden interessante Perspektiven für die Zukunft des Glarner öVs diskutiert. Regierungsrat Tschudi bekräftigte in der Diskussion, dass die direkten Züge zwischen Zürich und dem Kanton Glarus nicht aufgegeben werden und offensichtlich bestehen bleiben sollen. Er erwähnte die Technik der «Flügelung». Dabei würden aus Zürich kommende Züge in Ziegelbrücke getrennt: Ein Teil fährt weiter Richtung Chur, der andere ins Glarnerland. Möglicherweise wäre dies sogar halbstündlich umsetzbar.
Der Glarner Pendlerverein hat am 6. November zum zweiten öV-Gipfel eingeladen, um eine Klärung der Zukunft des öV im Kanton Glarus zu diskutieren. Dazu hatte der Verein Verkehrsfachleute, Politiker und Betriebsspezialisten eingeladen.
Der Verkehrsplaner Roman Steffen aus Luzern hat in einem Inputreferat aufgezeigt, welche Innovationen es heute schon alles gibt. Die Welt ist in Veränderung. So genannte Megatrends wie Digitalisierung, Dekarbonisierung, Automatisierung, Urbanisierung oder Dezentralisierung verändern unser Umfeld und sind nicht aufzuhalten. Es gibt neue Player wie Uber oder Flixbus oder andere Geschäftsmodelle, die unsere herkömmliche Welt verändern. Steffen plädiert: wenn wir wollen, das sich etwas ändert, müssen wir uns selbst ändern.
Steffen zeigt, dass das System PubliCar, ein Postauto auf Bestellung, speziell interessant ist, weil mit der Technologie von selbstfahrenden Autos, kombiniert mit Mobile-Apps, ein neues Angebot möglich ist, das im ländlichen Raum einer Systemrevolution gleichkommen könnte.
In Kalifornien oder in China sind solche selbstfahrenden Fahrzeuge bereits im Alltag unterwegs. In der Schweiz gibt es Pilotbetriebe. In Glarus sind solche Angebote interessant in jenen Regionen, wo die Wirtschaftlichkeit im Linienbetrieb unbefriedigend ist. In Glarus Süd, im Sernftal oder im Grosstal, wo die Siedlungsdichte geringer ist, könnten mit selbstfahrenden Fahrzeugen auch abends noch regelmässigere Fahrgelegenheiten angeboten werden als heute. Im dicht bevölkerten, engen Tal zwischen Ziegelbrücke und Schwanden jedoch sollten Bahn und Bus im Linienverkehr auch abends mindestens halbstündlich fahren. Je nach Region sollten unterschiedliche Ansätze angestrebt werden. Die Systeme sind da, wichtig ist, ins «doing», in die Umsetzung zu kommen.
Benno Singer, Verkehrsingenieur, Geschäftsführer und Experte aus Winterthur macht Mut, unkonventionelles auszuprobieren. Er unterstützt Steffens Aussage, sich selbst zu verändern. Er berichtet über das Projekt «31 days», wo Kandidaten freiwillig ihr Auto abgeben, den Komfort eines Generalabonnements geniessen und auch von Shared Mobility Angeboten profitieren. In diesen 31 Tagen erleben viele eine neue Mobilitätskultur und verblüffender Weise haben je nach Pilotregion bis zu 40% der Teilnehmenden nach dem Versuch ihr Auto verkauft.
In einem anderen interessanten Projekt wurden Swisscom Mobil-Daten ausgewertet; dabei wurde bei einem überlasteten Kreisel festgestellt, dass 40% der Verkehrsteilnehmenden Mitarbeitende einer einzigen Firma sind. Dank dieser Erkenntnis konnte mit gezielten verhaltensbeeinflussenden Verkehrsmanagement der teure Ausbau der Verkehrsinfrastruktur vermieden werden.
Singer war als Berater und Experte bei der Verkehrsplanung des ESAFs beauftragt. Alle hatten den Kollaps prophezeit, dank guter Kommunikation haben die Glarnerinnen und Glarner ihr Auto in diesen Tagen zu Hause gelassen, und auch von den ESAF Gästen sind viele tatsächlich früher gekommen und später gegangen, mit dem Velo oder mit dem öV angereist. Was wir daraus lernen können? Wir sollten flexibler sein, nicht jeden Tag immer gleich unterwegs sein.
Kurt Willi, Manager bei Postauto Graubünden berichtet aus Graubünden, wo am Abend in Thusis, Schuls oder in Ilanz mit Rufbussen die Bewohnerinnen und Bewohner aus den umliegenden Dörfern bis vor die Haustüre gebracht werden.
Christian Marti hat das Podium moderiert und fragt, ob die direkten Verbindungen keine Zukunft mehr haben? Der Verkehrsexperte Steffen meint, man solle heute nicht mehr auf Infrastrukturausbauten warten. Wenn 5 bis 10% der Verkehrsteilnehmenden sich anders verhalten, ist der Stau weg. Kurt Willi, ebenfalls zuständig für die Region Glarus, weist darauf hin, dass die Busse auf den Strassen noch zuverlässiger die Anschlüsse gewährleisten können müssen, damit das Angebot besser akzeptiert werden wird. Busbevorzugungen bei Kreuzungen oder Haltestellen sind wichtig, damit die Anschlüsse zuverlässig funktionieren.
Regierungsrat Thomas Tschudi verrät, dass bezüglich Busspuren bereits Verhandlungen laufen und offenbar bereits zeitnah Konkreteres kommuniziert werden kann. Der Regierungsrat hat zudem weitere interessante Details berichtet. So habe die Südostbahn nachgewiesen, dass die Technik der «Flügelung» in Ziegelbrücke möglich ist. Künftig könnte also nicht mehr die S25 direkt von Zürich nach Linthal fahren, sondern vielleicht der Interregio 35, wo der eine Zugteil nach Sargans, der andere Zugteil in den Kanton hineinfahren könnte. Da seitens SBB und ZVV angestrebt wird, alle Linien konsequent halbstündlich zu betreiben, wäre also ein Halbstundentakt zwischen Zürich und dem Kanton denkbar, und zwar bis relativ spät in den Abend hinein. Die Idee werde etwas kosten, passt aber in die vorgestellte Strategie der anwesenden Experten. Noch ist nichts beschlossen. Der Pendlerverein unterstützt die Bestrebungen, dass das ÖV-Angebot weiter verbessert wird.
In der Diskussion mit dem Publikum wurden weitere interessante Themen angesprochen; so sei das Warten an den Glarner Bushaltestelle nicht nur unattraktiv, sondern teilweise sogar gefährlich. Oder die Bedeutung einer guten Veloinfrastruktur, womit das öV Angebot auch besser erreicht werden kann, wenn die erste und letzte Meile besser funktioniere. Bei vielen Neubauprojekten werden heute zudem zu viele Parkplätze gebaut. Bei grösseren Siedlungen in Agglomerationen zeigt sich, dass nicht jede Wohnung ein eigenes Parkfeld brauche. Nicht jeder Haushalt ist bereit, 800 bis 1000 Franken pro Monat zu bezahlen, damit ein eigenes Fahrzeug auch abgestellt und genutzt werden kann. Dieser Betrag ist nötig, wenn alle Kosten einbezogen werden. Nur wenige sind bereit, die effektiven Kosten zu zahlen, die beim Parkieren anfallen würden.
Normalerweise sind wir direkt und schnell unterwegs. Aber einmal jährlich geniessen wir auch die gemütliche Heimreise mit dem Feierabendschiff von Zürich nach Rapperswil. Hier ein paar Impressionen von unser diesjährigen Fahrt bei prächtigstem Wetter am Fr. 19. Sept. 2025.
In seiner Medienmitteilung vom 21.05.2025 kündigt der Bundesrat an, den regionalen Personenverkehr in den Jahren 2026-2028 mit knapp 3,4 Milliarden Franken mitfinanzieren zu wollen. Wir bleiben dran fürs Glarnerland....
Trotz leichtem Schneefall reisten am 13. Februar 2025 einmal mehr erfreulich viele Mitglieder des Pendlervereins zur Hauptversammlung nach Ennenda. Diese fand erstmals nicht mehr im Herbst statt, weil das Vereinsjahr dem Kalenderjahr angepasst wurde. Zu Beginn gab es einen feinen Znacht im Gesellschaftshaus mit Pizza oder Cordon Bleu und reichlich Gelegenheit, sich über Dieses und Jenes auszutauschen.
Regierungsrat Tschudi und Präsidentin Müller-Wahl im Gespräch
Anschliessend referierte Regierungsrat Thomas Tschudi, selbst langjähriges Vereinsmitglied, über das totalrevidierte Gesetz über den öffentlichen Verkehr (öVG). Der Grundgedanke sei, den öV als Chance zu sehen und den Modalsplit vom Auto zugunsten des öV zu verbessern. Nachfolgend einige Punkte aus seinem Vortrag: Zu beachten sei, dass die Erarbeitung eines Konzepts und konkreter Angebote erst nach Annahme des Gesetzes erfolgen werde, also z.B. wo es einen Halbstundentakt gebe. Art. 1 halte jedoch fest, dass alle Gemeinden durch das kantonale öV-Netz erschlossen sein müssen. Dies schliesse unter Umständen auch innovative oder alternative Angebote wie einen Rufbus ein. Ziel sei es, die finanziellen Mittel «verhältnismässig» und mit grösstmöglichem Nutzen einzusetzen. Art. 7 sehe neu die Übernahme aller Kosten durch den Kanton vor, also auch für die touristische Erschliessung. Viel öffentliche Aufmerksamkeit geniesse die Erschliessung von Braunwald (Art. 5 ). Der Variantenentscheid kommt bekanntlich vor die Landsgemeinde. Tschudi führt weiter aus, dass neu der Landrat die Entscheidungskompetenz über das ÖV-Konzept erhalten soll, wobei für Angebotsausbauten ein Kostendeckungsgrad von 20 % vorgeschrieben wird (Art. 11). Der bisherige Rahmenkredit soll nach einer Übergangsphase aufgehoben werden (Art. 16).
An diese Ausführungen schlossen sich zahlreiche Fragen an, u.a. ob während der Erarbeitung des Konzepts auch neue Entwicklungen oder Bedürfnisse berücksichtigt werden könnten, was Tschudi bejahte (Antrag an den Landrat). Eine weitere Frage lautete, ob das Angebot im Rahmen der Budgetdebatte wieder reduziert werden könne? Dies ist laut Tschudi nicht möglich, da es sich um gebundene Ausgaben handelt. Unsere Vereinspräsidentin äusserte die Befürchtung, ob die ÖV-Kommission auch weiterhin substanzielle inhaltliche Beiträge leisten könne, wenn ihr bereits Strategien vorgelegt würden? Auch das bejahte Tschudi. Beim Nadelöhr Glarner Unterland, wo ein grosses Wachstum prognostiziert wird, habe man den Eindruck, dass nur Bestehendes zementiert werde. Hier betonte Tschudi nochmals, dass man offen bleiben und auch frische Ideen einbeziehen wolle. Eine letzte Wortmeldung betraf den öV-Bonuspass (Firmenabo), weil er bisher nicht bekannt war.
Danach folgte die HV mit dem Jahresrückblick der Präsidentin Priska Müller-Wahl. Der Verein konnte 11 neue Mitglieder gewinnen, so dass er bei 7 Austritten und 7 weiteren Abgängen nun total 118 Mitglieder zählt. Zudem hat er mit Christian Marti erstmals zwei Regierungsräte als Mitglieder – hoffentlich ein Vorteil für unsere Anliegen!
Der Vorstand blickt auf ein aktives Vereinsjahr zurück
Im verlängerten Vereinsjahr 2023/2024 ist sicher die Organisation und Durchführung des 1. Glarner öV-Gipfels am 29.10.2024 im Kunsthauskeller Glarus hervorzuheben. Der Anlass beinhaltete zwei Referate. ÖV-Experte Hans Kaspar Schiesser thematisierte vor allem die letzte Meile, d.h. konkret eine stärkere Förderung von E-Bikes im Alltag, weil das Glarnerland dafür topographisch gut geeignet sei. Die Entwickler Filip Flüeler und Ralf Seeliger von der SOB warben für ihre Neuheiten und skizzierten ein paar Visionen. Das Podium mit den drei Referenten sowie dem Geschäftsführer der Autobetriebe Sernftal Daniel Schmidt und Regierungsrat Thomas Tschudi wurde von Kassier Chrigel Marti moderiert. Es folgten viele, auch kritische Fragen und beim Apéro wurde rege weiter diskutiert. Mit rund 55 Teilnehmenden und einem Pressevertreter vor Ort können wir eine positive Bilanz ziehen. Ein 2. Gipfel ist für dieses Jahr am 6.11.25 geplant.
Der 1. Glarner öV-Gipfel im Herbst 2024
Darüber hinaus beteiligte sich der Vorstand mit sechs konkreten Anträgen an der Vernehmlassung zum öVG, wie z. B. dem Wunsch nach einem Controlling und mehr Mitsprache, und machte Eingaben zum neuen Fahrplan. Eine wichtige Aufgabe war die regelmässige Netzwerkarbeit mit öV-Anbietern und öV-Fachleuten, mit der Verwaltung und mit Politikern auf Kantons- und Bundesebene. Seit dem Vorstoss von Ständerat This Zopfi «Keine massive Verschlechterung des öffentlichen Verkehrs aus dem und in den Kanton Glarus» hat man unseren Kanton in Bern wahrgenommen und bleibt im Gespräch. Und schliesslich fand auch im vergangenen Jahr mit dem Pendlerschiff noch ein geselliger Anlass statt.
Wir danken Referent Thomas Tschudi und den Mitgliedern für Ihr Engagement als aktive Botschafter:innen. Ihr könnt gut und viel unterstützen. Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen!